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David Humphreys schrieb am 2005-10-26
Dear Dr Emele, Interested to read your contribution to the discussion about Kellner's authorship of Bach' BWV 565, having started the ball rolling in Early Music in 1981. I believe that Kellner was also the composer of Bach's A major organ fugue BWV 536/2 (see my Organ Yearbook article from a few years ago. Kellner probably added it to Bach's prelude to make a performable whole.



Stephan Emele
BWV 565 - ein Werk von Kellner?


Aus seiner Staatsexamensarbeit vom 21.11. 2000
Thema :"Ein Beispiel der mitteldeutschen Orgelkunst des 18. Jahrhunderts: Johann Peter Kellner"(Musikhochschule Franz Liszt Weimar)

Da sich die Toccata und Fuge d - moll (BWV 565) so grundlegend von allen anderen Bach´schen Orgelwerken unterscheidet, hielt die Musikwissenschaft lange an der These fest, dass es sich hierbei aufgrund der experimentellen Züge und kontrapunktischen Freiheiten um ein Frühwerk Bachs handeln müsse. Dem steht aber das Vorkommen von Stilmerkmalen des galanten italienischen Stils (s.u.) entgegen, die Bach zwar kannte, aber in seinen Werken vor der Weimarer Zeit selbst noch nicht anwendete[215]. Um 1707 hatte sich Bachs Kompositionsstil allerdings schon zu solcher Meisterschaft entwickelt (vgl. die entsprechenden Orgelwerke der Arnstädter und Weimarer Zeit), dass die Komposition des relativ schwachen und satztechnisch mitunter auch fehlerhaften BWV 565 zu oder nach dieser Zeit höchst unwahrscheinlich wird. Die älteste erhaltene Abschrift von BWV 565 stammt übrigens von dem Kellner - Schüler (!) Johannes Ringk[216], die mit Sicherheit erst nach 1730 angefertigt wurde. Folgende Stilkriterien sprechen zudem gegen eine Komposition von vor 1730[217]:
Natürlich lässt sich nun anhand dieser Merkmale nicht definitiv sagen, dass BWV565 von Kellner stammt. Es deutet doch zumindest vieles darauf hin. Dass das Stück von J.S.Bach stammen soll, ist nach all dem Gesagten auf jeden Fall sehr unwahrscheinlich! Bereits Peter Williams[221] hegte Zweifel ob BWV 565 wirklich von Bach stammt und warf die These auf, dass es sich bei diesem Werk womöglich um eine Orgeltranskription eines ursprünglich für Violine solo komponierten Stückes handele. Er stützte seine These auf die in der Toccata (T. 12ff) und der Fuge (T. 115ff) vorkommenden "Violinfiguren". Doch schon David Humphreys[222] gab zu bedenken, dass solche "Violinimitationen" auch in den zweifellos authentischen Orgelwerken Bachs (z.B. BWV 535) vorkommen. Außerdem scheidet eine Transkription durch Bach - wenn es sich denn tatsächlich um ein Violinstück (eines fremden Meisters) handeln sollte - schon aus oben genannten stilistischen Gründe aus: Bachs Transkriptionen sind weitaus anspruchsvoller. Humphreys war auch der Erste, der vermutete, dass der Autor von BWV 565 vielleicht im Kreis um J.P.Kellner zu suchen sei. Nicht sehr ergiebige stilistische Vergleiche führte er nur zu Kellners O10:02 und der "schwache Satz von O10:03 mit BWV 565 vergleichbar wären. Einen Vergleich der auffällig ähnlichen Pseudokontrapunkte (Bsp. 28) zog er beispielsweise nicht in Betracht.
Bernhard Billeter[223] schließlich vertritt die Hypothese, dass BWV 565 (ursprünglich) für Cembalo geschrieben sei. Dadurch würden sich dann solche Eigentümlichkeiten wie unisono, arpeggio und überwiegende Dreistimmigkeit der Fuge von selbst erklären; Satzfehler und Notationseigentümlichkeiten weist er als "zutaten des Bearbeiters" aus. Nur: Dass BWV 565 als Ganzes betrachtet trotzdem nicht zu Bachs Kompositionsstil passt - auch nicht zu dem seiner Cembalowerke - gesteht er nicht ein. Vielmehr setzt er alles daran, die von Claus 1995 aufgestellten Thesen zu widerlegen, um BWV 565 wieder definitiv J.S.Bach zuzuschreiben. Einen Vergleich mit Werken anderer Komponisten der Zeit (etwa J.P.Kellner) zieht er überhaupt nicht in Betracht. Die Bemerkung schließlich, dass Musikwissenschaftler (wie Williams und Claus) aufgrund "persönlicher Aversionen" gegen BWV 565 dessen Echtheit anzweifeln würden, finde ich äußerst unwissenschaftlich!
Letztlich wird um die wahre Autorenschaft von BWV 565 noch viel diskutiert und geforscht werden müssen, dass Johann Peter Kellner aber zum engeren Kreis der möglichen Schöpfer gerechnet werden muß, steht für mich fest.


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Zuletzt bearbeitet : 20.12.2001


[215] Den italienischen Stil lernte Bach vermutlich schon während seiner Lehrzeit in Lüneburg ( - Besuch der Hamburger Oper) oder bei seinem Weimarer Aufenthalt als Geiger in der Hofkapelle kennen. Eine intensivere Auseinanderstzung findet aber erst mit den Transkriptionen italienischer Konzerte statt (nach Schmider 1990, S. 918f etwa ab 1713/14).
[216] Neu herausgegeben von Claus 2000.
[217] vgl. dazu Claus 1995, S. 47 - 95 a nach dem Werkeverzeichnis Aufgestellt von Claus "Johann Peter Kellner - Studien zu Leben und Werk"
[218] Die Takzählung erfolgt durchgehend vom Beginn der Toccata; die Fuge von BWV 565 beginnt also in Takt 30.
[219] Das Zwischenspiel (T. 41-51) ist zu lang um den vierten Themeneinsatz im Pedal (T. 52) noch zu den vorigen dazugehörig erscheinen zu lassen; außerdem hat das Thema hier schon in die Moll-Subdominante (g-moll) moduliert.
[220] vgl. C.P.E.Bach "Versuch über die wahre Art, das Clavier zu spielen" 1753 Theil 1, S. 112ff.
[221] Peter Williams: "BWV565: A toccata in D minor for organ by J.S.Bach?". In Early Music. 9. Jg./ 1981. S. 330-337.
[222] David Humphreys: "The D minor Toccata BWV 565" In: Early Music, 10. Jg./ 1982. S. 216-217
[223] Bernhard Billeter: "Bachs Toccata und Fuge d-moll für Orgel BWV 565 - ein Cembalowerk?"